10 Tipps für Perücken-Noobs

Bist du neu im Perückenstyling? Oder sind Cosplay-Perücken für dich ein Grauen? Hast du das Gefühl, dass sie an dir einfach nie gut aussehen? Dann bist du hier genau richtig!

  1. Kauf einen passenden Perückenkopf
  2. Lerne eine Schneidetechnik
  3. Nimm Haarspray, aber übertreib es nicht
  4. Nur weil es echtem Haar gut tut…
  5. Keine rohe Gewalt!
  6. Style mit Hitze, aber sanft
  7. Plane deine Styles
  8. Lass den Pony länger, als du denkst
  9. Steck deine Perücke fest
  10. Kaufst du billig – kaufst du zweimal

Kauf einen passenden Perückenkopf

Wenn du vorhast, deine Perücke zu stylen – auch wenn du nur den Pony schneiden willst! – solltest du in einen Perückenkopf investieren. Die Perücke direkt auf dem eigenen Kopf zu schneiden, wird schnell lästig und liefert keine sauberen Ergebnisse.

wig head and stand
Styroporköpfe sind praktisch und preiswert

Perückenköpfe aus Styropor sind schon für ein paar Euro zu haben, aber achte darauf, dass du einen kaufst, der realistische Proportionen hat und ungefähr deiner eigenen Kopfgröße entspricht. Der Kopfumfang wird normalerweise in der Artikelbeschreibung erwähnt. Männliche Perückenköpfe finde ich von der Gesichtsform her am realistischsten. Das hilft mir, wenn ich mir vorstelle, wie die Perücke auf einem echten Kopf aussehen wird.

Wenn der Kopf zu klein ist, kann es passieren, dass du die Perücke zu kurz schneidest oder sie zu eng machst, wenn du Tressen einnähst oder eine Hochsteckfrisur stylst. Als schnelle Lösung kannst du Papier unter die Perücke stopfen, um sie hinten zu dehnen. Ein größerer Styroporkopf, ein Kopf aus Canvas (Segeltuch) mit Korkfüllung oder ein Perückenblock in deiner Größe sind genauer und deshalb den höheren Preis wert.

Zusätzlich zum Perückenkopf empfehle ich, einen stabilen Perückenständer zu kaufen. So kann der Kopf nicht mehr umkippen, während du daran arbeitest.

Lerne eine Schneidetechnik

feathered bangs
Ausgedünnte Spitzen sehen natürlicher aus

Früher oder später wirst du eine Perücke kürzen müssen, weil sie zu lang ist oder weil es deine Wunschfrisur nicht in dieser Farbe gab. Viele haben Angst davor, selber eine Perücke zu schneiden, aber denk immer daran: Es ist nur Plastik! Es wird dir nicht böse sein, wenn du es nicht auf Anhieb hinbekommst.

Damit deine Frisur natürlich aussieht, solltest du vermeiden, die Fasern alle auf die gleiche Länge abzuschneiden. Es gibt mehrere Möglichkeiten:

  • Beweg deine Schere beim Schneiden auf und ab
  • Benutz ein Rasiermesser und zieh die Klinge diagonal über das Haar (schaben und schneiden)
  • Mach einen groben Schnitt und dünne die Spitzen später aus (effilieren)
wig cutting technique
Für einen natürlich aussehenden Schnitt bewegst du deine Schere auf und ab (Bilder aus meinem Buch: Perücken 1×1)

Scharfe Klingen sind in Muss. Wenn du dir bei deiner Schnitttechnik unsicher bist, lass die Perücke ein wenig länger, als sie am Ende sein soll. Du kannst die Spitzen dann immer noch nachschneiden und ausdünnen, um ihnen einen natürlichen Look zu geben.

Finde heraus, welche Methode für dich am besten funktioniert. Dann heißt es: Üben, üben, üben!

Nimm Haarspray, aber übertreib es nicht

Billiges, starkes Haarspray ist mein bevorzugtes Stylingprodukt für Cosplay-Perücken. Es ist nicht nötig, spezielles Perückenspray oder Pflegeprodukte für echtes Haar zu kaufen, die auf Kunsthaar nichts ausrichten.

Ich verwende für die meisten Styles 1-Euro-Haarspray der Variante “super – mega – extra starker Halt”. Die stärkste Sorte Haarspray wird oft Haarlack genannt, damit machst du nichts falsch. Für extreme Styles wie Spikes oder Ponys, die der Schwerkraft trotzen, empfehle ich got2B Glued Blasting Freeze Spray (gelbe Dose).

Aerith bangs

Was du bei jeder Art von Haarspray (egal wie stark oder schwach) beachten musst: Zu viel davon macht das Haar steif und glänzend – es sieht dann aus wie geklebt. Deshalb solltest du Haarspray sparsam verwenden, zumindest da, wo man es später sehen kann. Trag es in dünnen Schichten auf, indem du die Dose beim Sprühen ständig bewegst.

Bei großen Frisuren, die eine große Menge Stylingprodukt benötigen, solltest du nicht versuchen, das ganze Haar auf einmal zu stylen. Nimm nur eine dünne Haarschicht, trag ein wenig Haarspray auf, bedecke es dann mit der nächsten Haarschicht und so weiter – das leichte Aufsprühen von starkem Haarspray klebt die Haare buchstäblich zusammen. Aber im Gegensatz zu echtem Kleber kann das Produkt jederzeit wieder ausgebürstet werden, wenn du mit dem Style nicht zufrieden bist.

Ausführliche Anleitungen zum Schneiden und Stylen findest du in meinem 2021 erschienenen Buch, Wigs 3D! (Bald auch auf Deutsch)

Nur weil es echtem Haar gut tut…

…ist es noch lange nicht gut für Perücken! Manche Stylingprodukte, die bei Echthaar wahre Wunder wirken, haben auf Kunsthaar keine Wirkung oder schlimmer noch, sie lassen es stumpf und ungepflegt aussehen.

Die meisten Spülungen und Shampoos für echtes Haar enthalten “pflegende” Inhaltsstoffe, die dein Haar aufnimmt. Bei Kunsthaar lagern sie sich stattdessen auf der Oberfläche ab. Deine Perücke über einen längeren Zeitraum in irgendetwas einzuweichen, macht auch keinen Sinn, da nichts in die Plastikfasern eindringen und ihre Struktur auf magische Weise verbessern kann.

Verwende ein möglichst mildes, neutrales Shampoo (Babyshampoo oder Perückenshampoo), um deine Perücke zu waschen. Je weniger Zusatzstoffe, umso besser.

Um deine Perücke zu entwirren, sprüh sie mit Perücken-Conditioner oder Oil Sheen Spray (aus dem Afro-Shop) ein. Beide hinterlassen einen glatten Film auf den Fasern, der es einfacher macht, sie zu kämmen und Knoten aufzulösen.

Haargel muss sich mit den natürlichen Hautfetten in deinem Haar verbinden (igitt). Das kann es bei einer Perücke nicht, also wird es die Fasern nur beschweren und für einen strähnigen Look sorgen. Um Kunsthaar-Perücken zu formen oder zu glätten, setzt du besser eine Kombination aus Hitze und Haarspray ein. Oder nimm einen extremen Haarkleber für Stacheln wie got2B Glued Spiking Glue: Es fühlt sich ähnlich an wie normales Haargel, aber seine Polymerstruktur trotzt wirklich der Schwerkraft. Es hält sogar Kunsthaar zusammen. Verwende nur einen erbsengroßen Tropfen, um einen Spike zu formen, oder knete etwas davon in eine kurze Perücke, um ihr im Handumdrehen mehr Volumen zu geben.

Wenn es ans Kämmen geht, verzichte auf jede Art von Rundbürsten, Bürsten mit Noppen an den Borsten oder Kämme mit sehr feinen Zinken. Verwende stattdessen einen breitzinkigen Kamm oder eine Entwirrbürste (mit kurzen, parallelen Borsten).

Uns wachsen ständig Haare nach und wir verlieren sie wieder, Tag für Tag. Deshalb sind die meisten Bürsten und Kämme für Echthaar dazu gedacht, lose Haare herauszuziehen. Bei Perücken hingegen ist alles, was die Faser belastet, kontraproduktiv: Es wird Haar herausgezogen, das nie wieder nachwachsen kann.

Was mich zum nächsten Tipp bringt…

Keine rohe Gewalt!

Eine stark verhedderte Perücke ist kein schöner Anblick. Ich weiß ja, du willst sie einfach schnell auskämmen und fertig, aber bitte leg die Bürste weg und atme tief durch!

Trag erstmal großzügig Oil Sheen Spray oder Perücken-Conditioner auf, damit es beim Entwirren besser flutscht. Wenn ich stark verfilztes Haar habe, klopfe ich sanft mit meinen Fingern oder dem flachen Griff eines Kammes auf die Knoten, um sie zu lösen.

wig detangling
(Bilder aus meinem Buch: Perücken 1×1)

Als nächstes benutze ich einen breitzinkigen Kamm oder eine Entwirrbürste, die leicht durch das Haar gleitet. Wenn es nicht leicht geht, fang mit den Spitzen an und arbeite dich nach oben vor. Widerstehe dem Drang, mit Gewalt an den Haaren zu ziehen!

Wenn du die Fasern zu sehr belastest, werden sie sich dehnen oder brechen. Beschädigte Fasern müssen herausgeschnitten oder geglättet werden, da sie sonst nur noch mehr Filz verursachen.

Style mit Hitze, aber sanft

Kunsthaar-Perücken bestehen aus Plastik, deshalb kannst du sie mit Hitze in Form bringen. Du hast mehrere Möglichkeiten:

  • Haartrockner (Fön)
  • Heißwasser
  • Dampf
  • Heißwickler
  • Glätteisen
straightening iron
Sei flink mit dem Glätteisen, sonst schmilzt es die Perücke!

Heißwasser oder ein normaler Fön sind beide sehr sicher in der Anwendung, auch für Anfänger. Sie werden nicht ganz so heiß wie ein Glätteisen, du kannst die Hitze besser kontrollieren und musst nicht so schnell arbeiten.

Der Trick ist, die Faser ein paar Sekunden lang zu erhitzen und sie dann in der gewünschten Form abkühlen zu lassen.

Die sichere Temperatur für Perücken aus Kanekalon (eine gängige Perückenfaser) ist 70-85°C. Hitzebeständige Fasern vertragen mehr Hitze, aber du solltest die Temperatur immer zuerst an einer Strähne testen. Wenn in der Artikelbeschreibung steht “hitzebeständig bis zu xx Grad”, ist das oft die Temperatur, die die Faser schon zum Schmelzen bringt! Die Perücke kann aber schon bei weniger Hitze dauerhaften Schaden nehmen.

In meinen Büchern lernst du sichere Methoden, deine Perücken zu stylen. Meine Tutorials führen dich durch jeden Schritt und ich verrate dir, worauf du bei der Arbeit mit Hitze und Styling-Tools achten musst.

Plane deine Styles

Bevor du deine Perücke kaufst, finde erstmal raus, welche Art von Basisperücke du brauchst. Wie lang und wie dicht, welcher Schnitt, welche Form soll das Top haben und wie soll die Perücke aufgebaut sein? (Zum Beispiel ein Punktscheitel, ein Seitenscheitel oder ein vielseitiges, großes Kopfhautimitat? Eine Lace Front für einen natürlichen Ansatz, oder reicht eine normale Montur?) Du brauchst nicht zu viel Zeit zu verschwenden, eine ungeeignete Perücke umzuarbeiten, wenn die perfekte Basis-Perücke nur einen Klick entfernt ist.

Unterteile jede Frisur in mehrere Projekte: den Pony schneiden, die Perücke zum Pferdeschwanz hochziehen, Locken stylen. Schau dir Tutorials für die einzelnen Techniken an. Finde heraus, wie du jeden Schritt angehst und welche Werkzeuge und Materialien du brauchst.

wig spike progress
Plane deinen Style: Haare für Spikes abteilen

Teile die Haare ab, die du für jede Partie brauchst (Pony, seitliche Strähnen, Pferdeschwanz usw.). Wenn du große Locken oder Spikes stylen willst, macht es Sinn, die Haare für jede Strähne oder jeden Stachel einzeln abzuteilen, zumindest für die größten Exemplare. So hast du eine bessere Vorstellung, wo sie am Kopf sitzen sollen und wo du die Perücke vielleicht verdichten oder neu scheiteln musst, um Lücken abzudecken.

Leg die Reihenfolge fest, in der du jedes Mini-Projekt in Angriff nimmst, und welche Schritte du zuerst erledigen willst. Zum Beispiel glätte ich gewellte Perücken zuerst, damit ich eine saubere Grundlage zum Stylen habe. Dann bringe ich so viel Volumen in die Perücke, wie ich es für meinen Stil brauche (indem ich zusätzliche Tressen einnähe oder den Ansatz toupiere). Und ich bin ziemlich pingelig, was den Pony angeht, deshalb schneide und style ich den immer zuletzt. So kann ich ihn nicht verwuscheln, wenn ich am Rest der Perücke herumwerkle.

Jeder macht seine Perücken ein bisschen anders, also finde heraus, welche Art für dich am effizientesten ist!

Lass den Pony länger, als du denkst

Einen Pony zu schneiden, ist Millimeterarbeit: ein kleines Stück kann einen großen Unterschied machen, wie natürlich der Pony wirkt. Schnell ist es passiert und du hast zu viel abgeschnitten.

measuring length of bangs
Miss und markiere die optimale Ponylänge

Wir haben schon über die Größe und Proportion von Perückenköpfen gesprochen, die dich in die Irre führen können. Geh auf Nummer sicher und nimm ein Maßband zur Hand, um den Abstand von deinem vorderen Haaransatz bis zu deinen Augenbrauen zu ermitteln (in der Regel ca. 5–7cm). Übertrag das auf deinem Perückenkopf und markiere die optimale Ponylänge mit einer Stecknadel. So hast du eine gute Orientierung für das Schneiden.

Der Pony wird in der Regel nach innen eingedreht, wodurch er kürzer wird. Bei einem großen, buschigen Anime-Pony kann diese Locke beeindruckende Ausmaße annehmen, sodass der Pony beim Stylen um einiges kürzer wird. Wenn du die Haare schneidest, bevor du sie eindrehst, solltest du sie immer ein paar (2 bis 5) Zentimeter länger lassen.

Du kannst den Pony auch zu den Ohren hin auslaufen lassen, sodass er dein Gesicht schöner einrahmt. Dazu lässt du ihn an den Seiten extra lang.

Lass den Pony ruhig erstmal länger und probier die Perücke dann vorm Spiegel an. Richte die Perücke so aus, dass sie gerade so deinen vorderen Haaransatz bedeckt (sie sollte weder zu weit hinten sitzen noch in die Stirn gezogen sein). Wenn der Pony zu lang ist und dir in die Augen fällt, markiere die richtige Länge mit einer Haarklammer. Nimm die Perücke ab und kürze den Pony oder dreh ihn mit Hitze ein. Probier die Perücke erneut auf und wiederhole das so lange, bis du mit der Länge zufrieden bist und der Pony symmetrisch aussieht.

Steck deine Perücke fest

bobby pin
Nimm Haarklemmen für leichte Perücken

Ich kann dir gar nicht sagen, wie viele Perücken ich schon gesehen habe, die schief auf dem Kopf saßen oder die ausgerechnet bei einem Wettbewerb mitten im Bühnenauftritt runtergefallen sind. Das passiert, wenn du dir nicht die Mühe machst, Haarklemmen oder Haarnadeln zu benutzen. Eine Perücke, die nicht richtig befestigt ist, kann deinen ganzen Con-Tag ruinieren!

Wenn deine Perücke nach hinten zieht, ist es wichtig, sie mit U-förmigen Haarnadeln oder Tressenclips zu sichern, damit sie dir nicht vom Kopf rutscht. Schau dir dieses kurze Video an, wie ich Haarnadeln an einer Pferdeschwanz-Perücke verwende.

Perücken benötigen ein solides Fundament. Lies mein Tutorial, wie du dein Haar richtig hochsteckst, damit es unter eine Perücke passt und die Haarnadeln etwas zum Festhalten haben.

Kaufst du billig – kaufst du zweimal

Qualität hat ihren Preis. Schönes volles Haar hat seinen Preis. Je mehr Haare in einer Perücke sind, umso teurer wird sie sein.

Ja, du kannst zwei oder drei dünne Perücken kaufen und sie zusammennähen, aber ist es die zusätzliche Arbeit wirklich wert? Und ist es am Ende wirklich billiger?

Je länger deine Perücke ist, desto höher darf der Preis sein. Die Qualität der Fasern ist besonders wichtig bei Langhaar-Perücken – und bei allen Perücken, die du oft tragen willst. Qualitativ schlechte Fasern verheddern sich leichter und sind schwerer zu pflegen. Es kann auch schwieriger sein, sie zu stylen.

Gute Verkäufer geben Tipps und beantworten Fragen. Sie haben keine irreführenden oder geklauten Produktfotos, sie haben ein gleichbleibendes Sortiment und Farbkarten oder -ringe als Referenz. Frage nach Shop-Empfehlungen, und finde ein paar Perückenhändler, die du magst und zu denen du immer wieder zurückkommst – das wird dir auf lange Sicht eine Menge Frust ersparen!

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